Das Märchen vom zehnten Bauern

Zwei Hände reichen sich gegenseitig Erde mit einem kleinen Bäumchen daraus wachsend.

Gesundheit und Krankheit sowie die Produktion von Nahrungsmitteln sind mehr denn je wirtschaftlichen Interessen unterstellt. Es lohnt sich nicht nur, sondern kann überlebenswichtig sein, in jeder Hinsicht über den berühmten Tellerrand zu schauen.

Lesen Sie dazu das „Märchen vom zehnten Bauern“. Es wurde bereits 1994 von Johanna-Paungger-Poppe und Thomas Poppe veröffentlicht, ich durfte es adaptieren. Die geschilderten Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Krankheit, Nahrungsmittelproduktion und wirtschaftlichen Interessen sind heute aktueller denn je. 

Das Märchen vom zehnten Bauern *

Es war einmal ein Bauer, der eigene Wege ging. Gesegnet mit der Gabe des Weitblicks, sah er Dinge ganzheitlich – Sommer und Winter, nasse Felder und trockene Steppen, reiche Ernten und magere Jahre, nützliche und schädliche Pflanzen und Tiere. Hinter den Gegensätzen und Widersprüchen erkannte er das Verbindende. Sein Tun war beseelt von einer tiefen Liebe zu allem, was lebte und wuchs. 

„Natur“ war für ihn ein anderes Wort für „Geschenke Gottes“. Die Aufforderung „Machet Euch die Erde untertan“ verstand er als Einladung zu Miteinander und Dankbarkeit und nicht als Weisung, Mensch und Natur zu unterwerfen.

Er empfand es als Geschenk, als Bauer leben zu dürfen, aller harten Arbeit zum Trotz. Mitten in einer unruhigen Zeit war er ein Ruhepol. Eine grenzenlose Neugier auf neue Anwendungen von altem Wissen motivierte ihn. 

Er hatte auch die Gabe, den wahren Kern von Lügen und Propaganda zu erkennen: Eine leise Stimme in seinem linken Ohr „übersetzte“ dem „zehnten Bauern“, wie wir ihn nennen, was das jeweilige Gegenüber in Wahrheit sagen wollte. 

Eines Tages versammelten sich alle zehn Bauern des Tals im Dorfwirtshaus, um den Vortrag eines Vertreters zu hören. Dieser wollte ihnen verkünden, wie sie am Fortschritt der Menschheit teilhaben konnten.

Der Vertreter stand vor den Bauern; auf dem Tisch neben ihm ein auf den Kopf gestellter Zylinderhut. 

Er zog einen Papiersack heraus, riss ihn auf und schöpfte bläulich schimmernde, streng riechende Körnchen hervor. 

Nun blickte er triumphierend in die Runde und sagte: „Wir haben die Lösung all Ihrer Probleme … Kunstdünger! Ein Zaubermittel – es lässt Ihre Feldfrüchte doppelt so schnell wachsen, doppelt so groß werden und verdreifacht Ihren Gewinn! Sie können sogar zweimal im Jahr ernten! Es hat seinen Preis, aber bei diesen Aussichten werden Sie ihn nicht reuen. Damit werden Sie obendrein das Problem des Hungers in der Welt lösen!“

„Ich habe die Lösung für meine eigenen Probleme und die meiner Chefs! Fast Food für Ihre Pflanzen. Wir haben es hergestellt und wollen es verkaufen – in jedem Jahr mehr. Nichts sonst interessiert uns.“

Neun Bauern bekamen glänzende Augen. Der zehnte Bauer sagte: „Die Natur sorgt für uns. Sie erkennt die übergroßen, schwachen und leblosen Früchte als krank und wird sich wehren. ‚Unkraut‘ und ‚Schädlinge‘ werden für gesunden Ausgleich sorgen und solche Früchte ausrotten. Warum einen Krieg gegen die Natur beginnen, wenn wir die Folgen jetzt schon kennen?“

Die neun Bauern rutschten unbehaglich hin und her. Der Vertreter griff wiederum tief in den Zylinder und zog Dosen, Tüten und Sprays hervor. Die Etiketten wiesen viel Kleingedrucktes und kleine Totenköpfe auf. „Damit vernichten Sie alle Schädlinge und Unkräuter in Nullkommanix. Sparsam in der Anwendung, kostengünstig in der Anschaffung! So können Sie Ihre Preise niedrig halten, konkurrenzfähig bleiben und obendrein noch viele Arbeitsplätze schaffen – in der chemischen Industrie.“

„Wir schaffen ein Problem und verdienen daran. Wir suchen eine Lösung und verdienen daran. Wir bekämpfen ein Symptom und verdienen daran. Wir schaffen neue Probleme und verdienen an deren Lösung. Viel Geld, viel Umsatz!“

Neun Bauern murmelten anerkennend. Der zehnte Bauer sprach: „Solchen Feldfrüchten fehlt jegliches innere Leben. Sie sind auf Dauer Gift.“

Der Vertreter zog bunte Schachteln aus dem Zylinder: „Dieselben Firmen, die Ihnen die Düngemittel und Pestizide liefern, haben im Labor Nahrungsergänzungsmittel entworfen, die alle Mängel ausgleichen.“

„Wir haben Nahrungsergänzungsmittel entworfen, die den selbst erzeugten Mangel ausgleichen. Natürlich niemals ganz. Euer Mangel und eure Müdigkeit werden zu unserem Gold.“

Neun Bauern nickten zustimmend. Der zehnte Bauer gab zu bedenken: „Die Pestizide sammeln sich in den Erntefrüchten, in der Erde, im Wasser, in der Luft, in den Tieren, im Menschen und machen uns alle krank. Die künstlichen Nahrungsergänzungsmittel kann der Körper gar nicht erkennen. Der Mangel bleibt. Er macht den Körper dick und süchtig bei dessen vergeblichem Versuch, aus den leeren Früchten Lebendiges herauszuholen.“

Der Vertreter zog schillernde Medikamentenpackungen aus dem Zylinder: „Die Firmen haben natürlich herausgefunden, wie man mit all den selbst gemachten Krankheiten fertig wird.“

Die neun Bauern waren zufrieden. Der zehnte Bauer sagte: „Ihre Medizin kuriert nur die Symptome und hat Nebenwirkungen. Gesund wird davon niemand. Warum teuer kurieren, wenn krank werden zu vermeiden wäre?“

Des Vertreters Hand war schon im Zylinder verschwunden: „Hier sind die neuen Medikamente, die alle Nebenwirkungen der alten Medikamente in Schach halten!“ 

„Wir verdienen an der Zerstörung. Wir verdienen am Aufbau. Wir bauen aber nur halb und in mangelhafter Qualität auf, weil wir dann an den ständigen Reparaturen verdienen. Symptombekämpfung – das ist das Zauberwort!“

Nun holte der Vertreter ein kleines Holzmodell aus dem Zylinder. Das Vorher-Nachher-Modell zeigte auf der linken Seite eine wunderbar vielfältige kleinbäuerliche Landschaft, wie sie einst unser Land zierte. Sie war geschmückt mit gewundenen glitzernden Bächen, gesäumt von Bäumen und Sträuchern – ein fröhlicher Flickenteppich vielfarbiger Felder mit Wäldchen, Lichtungen, Steinhaufen und vielen Tieren. Ein kleines Paradies. 

Die rechte, moderne, fortschrittliche Nachher-Seite wies dagegen nur wenige große Flächen auf, schnurgerade betonierte Wasserläufe, asphaltierte Wege, rechte Winkel, große Traktoren, deren Gewicht Feld- und Waldböden tief durchfurchte und verletzte. Leblose Einförmigkeit, so weit das Auge reichte.

„Das ist die Zukunft! Große Flächen für schnelles und leichtes Arbeiten, Raum für große Maschinen, viel höhere Erträge! Natur- und Mondrhythmen sind überholter Aberglaube.“ Aus dem Zylinder zog er staatliche Förderungen in Milliardenhöhe und wissenschaftliche Abhandlungen, die den Wert dieser Eingriffe in die Natur „bewiesen“.

„Wir verdienen an der Zerstörung. Wir verdienen am Aufbau. Chemie und Industrie können es sich leisten, das Wissen um die Natur zu ignorieren.

Neun Bauern saßen mit leuchtenden Augen da. Der zehnte Bauer fragte: „Was ist mit der Bodenabtragung und -zerstörung, mit der Übersäuerung, die das fruchtbare Land in Wüste verwandelt? Was ist mit den Überschwemmungen, den gravierenden Folgekosten für Katastrophenschutz und Schadensbehebung? Was ist mit der Zerstörung des Lebensraums für die Tiere?“

„Kein Problem!“, sagte der Vertreter unbeirrt. „Die Wissenschaft hat alles im Griff.“

„Wir schaffen das Problem und verdienen daran. Wir arbeiten an der Lösung und verdienen daran. Wir zögern eine echte Lösung so lange wie möglich hinaus – und verdienen auch daran. Für Schadensfälle ist vorgesorgt. Wir verdienen immer: am Erfolg und am Misserfolg.“

Aus dem Zylinder zog der Vertreter staatliche Unterstützungszusagen in Milliardenhöhe hervor. Wissenschaftliche Abhandlungen bewiesen nun den Sinn der Renaturierung der Bäche und Flüsse und der Aufhebung der Flurbereinigung. Zusätzlich verteilte er Formulare für Kreditanträge.

Der zehnte Bauer sagte: „Wenn wir so wirtschaften, zerstören wir auch das Grundwasser! Woher kommt dann sauberes Wasser?“

Der Vertreter lachte laut auf: „Wir haben einfach die Grenzwerte für Gifte im Wasser erhöht! Es reagieren ohnehin nur besonders empfindliche Personen, meist Kinder, auf das belastete Wasser. Auch hier gibt es Abhilfe!“, sagte er und hob ein Wasserreinigungsgerät aus dem Zylinder, mit dem sich jedes Wasser in eine keim- und giftfreie Flüssigkeit verwandeln ließ.

„Wir schaffen das Problem und verdienen daran. Wir arbeiten an der Lösung und verdienen daran. Wir zögern eine echte Lösung so lange wie möglich hinaus und verdienen daran. Dass keimfreies Wasser lebloses Wasser ist, braucht niemand zu wissen.“

Der zehnte Bauer sagte: „Bei dieser Bewirtschaftungsmethode werden sich gefährliche resistente Bakterienarten entwickeln, die gegen alle Pestizide und Antibiotika immun sind.“

Der Vertreter entgegnete großmütig: „Unsere Gentechniker haben für diesen Fall ganz neue Kulturpflanzen entwickelt, die keine Krankheiten mehr bekommen. Die Samen können Sie jedes Jahr neu bei uns erwerben!“

Der zehnte Bauer: „Erst nach Jahren zeigt sich, wie sich diese Pflanzen auf Umwelt, Mensch und Tier auswirken. Fast all diese Pflanzen waren bislang schädlich auch für Nützlinge. Die Bienen verlassen uns jetzt schon! Warum ein solches Risiko eingehen?“

Der Vertreter winkte ab: „Kein Fortschritt ohne Risiko. Wenn es klappt, dann ist doch Ihr Gewinn um ein Vielfaches höher als auf herkömmlichen Wegen, nicht wahr?“

„Wir schaffen ein riesiges Problem und verdienen gewaltig daran. Wir arbeiten in ein paar Jahrzehnten an der Lösung und verdienen gigantisch daran. Wir zögern eine echte Lösung so lange wie möglich hinaus und verdienen absolut irre daran. Das Schönste für unser Geschäft: Manche Schäden sind nicht rückgängig zu machen. DAS sind erst die Umsatzträger!“

Der zehnte Bauer warf ein: „Als Versuchskaninchen für dieses Experiment zu dienen, sollte jedem Einzelnen überlassen bleiben.“ 

Der Vertreter: „Du meine Güte, wo bleibt denn da Ihre Menschenkenntnis? Dann würde doch keiner mitmachen! Nein, manchmal muss man die Menschheit zu ihrem Glück zwingen. Großer Vorteil nebenbei bemerkt: gleichbleibende Qualität!“

„Appelliere an ihren Stolz, dann rollt der Rubel.“

Der zehnte Bauer blieb unbeirrt: „Wir können unser Saatgut nicht mehr selbst vermehren wie seit Jahrtausenden, sondern müssen die Hybridpflanzen immer wieder nachkaufen.“

Der Vertreter verzog keine Miene: „Das ist Ihr Vorteil! Sie bekommen immer das neueste Modell aus unserer Genfabrik. Die mit uns befreundeten Banken bieten Ihnen günstige Kredite für vorübergehende Notfälle an. Ihre Genossenschaften und Gewerkschaften werden Sie unterstützen.“

„Appelliere an ihr Sicherheitsbedürfnis, dann rollt der Rubel.“

Der zehnte Bauer gab zu bedenken: „Diese unfruchtbaren, nicht vermehrbaren Pflanzen sind keine echten Lebensmittel. Sie sind steril, ihre innere Lebendigkeit ist vernichtet worden. Sie schwächen den Menschen.“

Der Vertreter rief: „Wir sind glücklicherweise dem Mittelalter entwachsen und neutrale Wissenschaftler haben dies zweifelsfrei als Aberglauben entlarvt.“

„Unsere von uns gut bezahlten Wissenschaftler entlarven das zweifelsfrei als Aberglauben. Was jeder Laie am eigenen Leib sehen und fühlen kann, zählt in dieser Wissenschaft nichts ...“

Er griff wieder in den Zylinder: „Hier noch der Stein der Weisen für Tierzüchter! Anstelle von mühselig selbst angebautem Tierfutter Superkraftfutter, sauberes Silofutter, Legebatterien und Mega-Ställe.“ Wie Bauklötzchen purzelten Proben und kleine Stallmodelle über den Tisch und ließen neun Bauern staunen.

Der zehnte Bauer ließ nicht locker: „Wie steht‘s dann mit der Qualität unserer Produkte, wenn wir so arbeiten? Die Tiere müssen ja dann mit vielen Medikamenten ruhiggestellt und behandelt werden. Wer kann dann Fleisch und Milch als unbedenklich verkaufen? Wer bezahlt die Arztrechnungen der Käufer? 

Was ist mit den fühlenden, intelligenten Tieren und ihrem Leben? Artgerechte Tierhaltung ist notwendig, wenn wir menschenwürdig wirtschaften wollen!“

Der Vertreter blieb gelassen: „Das Problem ist nur eingebildet. Sie können der Wissenschaft bedingungslos vertrauen.“

„Alles nicht der Rede wert, gemessen an den enormen Profiten und Vorteilen! Ihr sollt das Zeug kaufen – und dann sitzt ihr in der Falle! Denn dieses Futter macht die Tiere krank, es schwächt sie und obendrein macht es sie süchtig nach unseren Chemikalien. Dass die bleierne Müdigkeit und die Krankheiten, die alle Menschen nach dem Konsum solcher Nichtlebensmittel überfallen, von diesen Produkten selbst verursacht werden, weiß ja niemand. Es gibt ja eine Vielzahl von Abhilfen – alles weitere Umsatzträger für uns!“

Der zehnte Bauer sagte mit leiser Stimme: „Als Rädchen in diesem Teufelskreis wird gewiss keiner von uns mehr ruhig schlafen können!“

Der Vertreter reichte den Bauern bunte Hochglanzprospekte und ein Krankenschein-Scheckheft.

„Unsere Werbeagenturen verbreiten, dass Zucker, weißes Mehl und Produkte aus Tierfabriken gesund und Agrargifte unschädlich seien und dass Gentechnik eine super Sache sei. Obwohl es längst Beweise für das Gegenteil gibt. 

Es gibt kaum noch Wissenschaftler und Zeitschriften, die nicht von uns bezahlt werden. Darum wird sich die Zahl der Studien, die die Wahrheit herausfinden, in Grenzen halten. Sie können kaum verbreitet werden. Und wenn doch, dann werden sie einfach als überholt abgetan. Ihr müsst lange suchen, bis sich jemand findet, der sich davon nicht beeindrucken lässt! 

Für eure Gewissensbisse haben wir die EU, die Bauerngewerkschaften und die Krankenkassen auf unserer Seite. Die bezahlen für die körperlichen und seelischen Schäden.“

Die neun Bauern waren zufrieden. Der zehnte Bauer aber holte tief Luft: „Das ist bedingungslose Abhängigkeit, in die wir uns begeben sollen. Abhängigkeit von den Banken, von Politikern, die noch nie einen Bauernhof besucht haben, von Wissenschaftlern, von der Pharmazie, von staatlichen Förderungen, von den Saatgutherstellern, von den Maschinenbaufirmen, von Subventionen, von Pensionszahlungen, von Krankenkassen, von Tierärzten, von Psychotherapeuten, die unser schlechtes Gewissen beruhigen sollen. Niemand ist dann mehr sein eigener Herr!“

Der Vertreter entgegnete: „Wir sehen Sicherheit und Fortschritt, Vernetzung, Globalisierung und fröhliches Miteinander zum Nutzen aller. Man wird sich von allen Seiten um Sie kümmern! Schließlich sorgen Sie ja für unser tägliches Brot und sichern obendrein Arbeitsplätze!“

„Sie haben ja recht. Aber wen interessiert das schon?“

Neun Bauern fühlten sich außerordentlich geschmeichelt.

Sie würden diesen wunderbaren Kreislauf von Stopfblähfüllmitteln, viel Verdienst und Arbeitsplätzen am Leben erhalten!

Der Vertreter zog eine kleine Flöte aus dem Zylinder, spielte eine uralte Weise und ging davon. Die neun Bauern standen der Reihe nach auf und folgten ihm freiwillig.

Einem gefiel der Gedanke, endlich einmal als „fortschrittlich“ anerkannt zu werden.

Den zweiten Bauern trieb die Gier nach Geld und Gut und möglichst vielen Fördermitteln. 

Der dritte Bauer wollte nicht zugeben, dass er kaum etwas verstanden hatte. Er machte mit, weil die Mehrheit immer recht hat. 

Der vierte Bauer hatte eine große Familie mit vielen Kindern zu ernähren. Ihn trieb die Angst um, wirtschaftlich Schiffbruch zu erleiden. „Abhängigkeit“ klang in seinen Ohren wie ein Versprechen und nicht wie eine Drohung. 

Der fünfte Bauer wollte schon lange der ganzen Welt und vor allem seinen Eltern beweisen, dass er zu „etwas“ taugte. Selbstzweifel trieben ihn in die Arme des Vertreters.

Der sechste Bauer vertraute blind jeder Form von „wissenschaftlicher Erkenntnis“ und hatte schon als kleines Kind aufgehört, auf seine innere Stimme zu hören.

Der siebte Bauer war vom selbstbewussten Auftreten des Vertreters beeindruckt. Es konnte sich einfach nicht irren, wer den Mut hatte, eine solche Show abzuziehen.

Der achte Bauer war vom Klang der Flöte verzaubert und dachte: „Wer so wunderschön musiziert, ist meines Vertrauens würdig, denn mit Musik verleiht sich eine gute Seele Ausdruck.“

Der neunte Bauer konnte sich nicht vorstellen, „so jemanden“ wie den kritischen zehnten Bauern als Wegbegleiter zu erwählen. Er folgte dem Vertreter, weil er Angst hatte, allein dazustehen.

Der zehnte Bauer sah ihnen lange nachdenklich nach. Dann kehrte er auf seinen Hof zurück.

Bis heute fährt er fort, nach natürlichen Methoden sein Handwerk zu betreiben, Früchte und Gemüse anzubauen, die alle Kraft einer gesunden Erde in sich tragen. Echte Mittel fürs Leben, die den Menschen gesund erhalten oder gesund machen. 

Unterstützt wird er von den guten Gedanken der Menschen, die seine Arbeit zu schätzen wissen – von den Familien im Tal, die sich entschieden haben, sich nur noch bei ihm zu versorgen. Er sagt:

„Und wenn morgen die Welt untergehen sollte,
pflanze ich heute noch einen Baum.“

 

Ein Auszug aus dem Buch: Das Darm-Hirn-Kartell und der Wert des Lebens
*nach Johanna Paungger-Poppe und Thomas Poppe